{"id":4820,"date":"2019-06-24T13:14:28","date_gmt":"2019-06-24T11:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.set.ch\/?p=4820"},"modified":"2019-06-25T15:09:56","modified_gmt":"2019-06-25T13:09:56","slug":"interview-urs-urech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.set.ch\/fr\/interview-urs-urech\/","title":{"rendered":"Interview mit Urs Urech, seit Oktober 2018 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SET Stiftung"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Urs, inwiefern siehst Du die Schulen in der Pflicht, sich um Rassismuspr\u00e4vention zu k\u00fcmmern? Was schl\u00e4gst Du als SET-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer den Lehrpersonen konkret vor?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Urs Urech: Mit dem Lehrplan 21 sind Schulen angehalten, sich f\u00fcr die Bildung zur nachhaltigen Entwicklung (BNE) einzusetzen. Das beinhaltet das Lernen \u00fcber die Gesellschaft, \u00fcber Gerechtigkeit, die politische Bildung und zur Menschenrechtsbildung. BNE soll das Nachdenken und Verstehen \u00fcber die globalisierte Welt genauso f\u00f6rdern wie Lernprozesse in der Klassengemeinschaft und der Schule als Ganzes ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Weiter sind die sogenannt \u00fcberfachlichen Kompetenzen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern viel st\u00e4rker gewichtet als bisher, diese sollen neu die H\u00e4lfte ausmachen.<\/p>\n<p>Lehrpersonen m\u00fcssen Kinder und Jugendliche in ihren personalen und sozialen (sowie methodischen) F\u00e4higkeiten f\u00f6rdern, damit sie lernen sich einzusetzen und sich zu engagieren \u2012 w\u00f6rtlich \u00abrespektvoll mit Menschen umgehen, die unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen oder sich in Geschlecht, Hautfarbe, Sprache, sozialer Herkunft, Religion oder Lebensform unterscheiden\u00bb.<\/p>\n<p>Konkret wird die Rassismuspr\u00e4vention heute in der Schule f\u00e4cher\u00fcbergreifend wiederholt eingeflochten und Lehrpersonen suchen Unterrichtsideen und Lehrmittel, mit denen sie die BNE-Inhalte altersgerecht und kompetenzorientiert umsetzen k\u00f6nnen. Hier werden wir Schulen unterst\u00fctzen und beraten. Momentan reagieren wir mit p\u00e4dagogischen und didaktischen Kursberatungen auf Anfragen von Lehrpersonen, in Zukunft werden wir Schulprojekte und -programme lancieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Was f\u00fcr Pr\u00e4ventionsprojekte kann die SET den Schulen anbieten?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Momentan vermitteln wir Partnerorganisationen wie NCBI f\u00fcr Schuleins\u00e4tze. Die T-BOX wird ab neuem Schuljahr f\u00fcr die Kindergartenstufe erh\u00e4ltlich sein und wir halten Ausschau nach neuen Projektideen f\u00fcr die Sek-1- und Sek-2-Stufe. F\u00fcr die Primarschule bietet sich das Unterrichtsmaterial \u00abVerfolgt und vertrieben. Lernen mit Lebensgeschichten\u00bb f\u00fcr das altersgerechte Lernen mit Kindern \u00fcber die Schoah und die Menschenrechtsbildung an.<\/p>\n<p><em>Hast Du ein Beispiel f\u00fcr ein gelungenes Anti-Rassismus-Projekt an einer Schule in der Schweiz?<br \/>\n<\/em>Am 21. M\u00e4rz 2019 konnte ich in Berneck am diesj\u00e4hrigen Aktionstag gegen Rassismus im Kanton St.Gallen mitwirken. In Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit und der Integrationsfachstelle wurde den Schulklassen ein Workshop-Programm angeboten, in welchem junge Fl\u00fcchtlinge aus Eritrea und Syrien und junge muslimische Frauen aus der Region aus ihrem Leben berichteten (\u00abLiving Library\u00bb). Die Jugendarbeiterinnen leiteten einen interaktiven Workshop zu den antisemitischen Vorf\u00e4llen vom letzten Sommer in einem Hotel in Arosa und ich konnte derweil den Lehrpersonen eine Einf\u00fchrung ins Lehrmittel \u00abVerfolgt und Vertrieben. Lernen mit Lebensgeschichten\u00bb geben. Das war ein gelungener Tag und die Gespr\u00e4che und gemeinsamen Erlebnisse werden die Schulklassen noch lange Zeit begleiten.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Welche Rassismusvorf\u00e4lle kommen an Schulen in der Schweiz immer wieder vor?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir erhalten regelm\u00e4ssig Anfragen von Lehrpersonen aus den deutschsprachigen Kantonen, wie sie auf rassistische und antisemitische Vorf\u00e4lle unter Jugendlichen reagieren sollen. Diese sind oft verbaler Natur, manchmal ist auch Vandalismus dabei oder selten sind es Mobbing oder T\u00e4tlichkeiten gegen Sch\u00fcler\/innen aus Minderheitengruppen. Wir beraten Schulen mit einer spontanen Einsch\u00e4tzung und mit Empfehlungen zur Bearbeitung der aktuellen Vorf\u00e4lle mittels Opferschutz und Antirassismusarbeit. Wichtiger als die unmittelbaren Vorf\u00e4lle bleibt aber die pr\u00e4ventive Arbeit an einer Schulhauskultur, welche die gesellschaftliche Vielfalt begr\u00fcsst und wertsch\u00e4tzt. Dazu f\u00f6rdern wir Lehrmittel und Unterrichtsprojekte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Zum Schluss: Warum engagierst Du Dich seit vielen Jahren in der Rassismuspr\u00e4vention?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Antirassismusarbeit interessiert und besch\u00e4ftigt mich, seit ich anfangs der neunziger Jahre ins aktive Berufsleben eingestiegen bin. Mein Zivildienst bei NCBI 1996 war eine pr\u00e4gende Zeit, als die Debatte um die \u00abnachrichtenlosen Verm\u00f6gen\u00bb oder besser gesagt um die von den Schweizer Banken blockierten Gelder aus j\u00fcdischen Familien \u00f6ffentlich gef\u00fchrt wurde und ich mich als Trainer von Rassismuspr\u00e4ventionsworkshops in Schul- und Berufsschulklassen pl\u00f6tzlich mitten in den Diskussionen \u00fcber Juden und Geld und \u00fcber die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung der Schweiz zur Kriegszeit und insbesondere zur damaligen antij\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingspolitik befand. Da wurde mir klar, wie viel es da zu tun gibt und wie viele Vorurteile und Distanz es zwischen der Mehrheitsbev\u00f6lkerung und (hier der j\u00fcdischen) Minderheiten gibt und wie schnell sich solche unn\u00f6tigen Gr\u00e4ben manchmal \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urs, inwiefern siehst Du die Schulen in der Pflicht, sich um Rassismuspr\u00e4vention zu k\u00fcmmern? Was schl\u00e4gst Du als SET-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer den Lehrpersonen konkret vor? 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